“Hüllen, die fallen, füllen die Hallen”- genau so äußerte sich Alex Christensen vor dem Finale des Eurovision Songcontest über seine Bühnenperformance mit Dita van Teese. Die Bourlesq- Tänzerin sollte im so prüden Russland mit einer Reitgerte dem deutschen Finalsong “Miss Kiss Kiss Bang” ein wenig Erotik einhauchen und Deutschland die großen Punktzahlen zufliegen lassen. Doch daraus wurde nichts. Mit dem 20. Platz verabschiedeten wir uns in diesem Jahr aus dem Wettbewerb. Immerhin fünf Plätze besser als im Vorjahr und trotzdem noch grottenschlecht.
Wer aber damit gerechnet hat, dass bei einem Anteil von 70 Prozent an weiblichen Teilnehmerinnen wieder eine der leicht bekleideteten Stimmchen gewinnt, hat sich in diesem Jahr getäuscht.
Der bereits im Vorfeld favorisierte Alexander Rybak macht das Rennen mit einem Start- Ziel Lauf bei der Punktevergabe. Der junge Geiger macht keine schlechte Figur, trifft aber bei weitem nicht alle Töne. Niveau wie bei einer DSDS- Show. Ihm ist aber hoch anzurechnen, dass er selbst ein Instrument spielt und so beweist, dass er wirklich was von Musik versteht.
Doch nicht nur die Votings und die scheinbar von Norwegen gebuchten zwölf Punkte machten die Show sterbenslangweilig. Jens Schröder- seineszeichens “Popkulturjunkie” kommentierte bei Startnummer 22 treffend: “Lief der Song heute abend nicht schon achtmal?” Das Gefühl hatte ich selbst auch, sobald ich die Augen für einen Moment geschlossen hatte, um von der gigantischen Bühne und dem Technikaufgebot einmal auf das Wesentliche- Die Musik- zurückzukommen. Wer dem Geblinke und Geblitze auf der Bühne jedoch nicht entkommen konnte und sich die teils skurrilen Bühnenshows angeschaut hat, muss doch im Nachhinein zwangsläufig einen Therapeuten besucht haben. Da liefen Römer durchs Bild, “the balkan girls” versuchten sich scheinbar im Laurentia- Tanzen, nur dass sie noch steifer waren, als manches Kleinkind. Zum Höhepunkt der Grausamkeiten, dem albanischen Beitrag, gab Kommentator Tim Frühling den passenden Spruch ab: “Warum steht da ein mintgrüner Spiderman, der vorher scheinbar noch in Pailetten gebadet hat? Ich sag es mit Udo Jürgens’ Worten: Warum nur, warum?”

Neben Norwegen ein weiterer Favorit war wohl eindeutig “Jade” aus dem Vereinigten Königreich. Mit dem Altmeister der Musicals Andrew Lloyd Webber zusammen stand sie auf der Bühne und sang die Ballade “It’s my time”. Webber, der in meinen Augen fantastischste Musicalkomponist aller Zeiten hatte sich da ein schönes Stückchen aus den Fingern gesaugt und den Song eine hübsches Mädchen mit großer Stimme singen lassen. Aber an seine Erfolge konnte er eindeutig nicht anknüpfen. Der Song rauschte so am Ohr vorbei und begann mit den so oft wiederholten Worten “My time it’s my time,…” allmählich sogar zu nerven.
Patricia Kaas, die eindeutig beste Stimme des Abends hatte mit ihrem Chanson “Et s’il fallait le faire” zwar keien Chance auf einen Sieg, beherrschte aber ganz allein ohne albernes Rumgezappel die Bühne. Mit einem verdienten achten Platz konnte sie stolz nach Hause ins Land der Baguettes zurückfahren.
Die ehemalige Sowjetunion sowie Jugoslawien, die jetzt mit gefühlten 100 verschiedenen Kleinststaaten antreten, sollen hier nur kurz erwähnt werden. Arabische Klänge dominierten die von Grabbeltisch im Sonderangebot zusammengeschusterten Popsongs und natürlich bauchtanzenden dünnen Stimmchen.
Der deutsche Beitrag von Alex Swings Oskar Sings hob sich zumindest ab. Wie in jedem Jahr schlugen die deutschen Finalisten eine völlig neue Richtung ein. Aber wo Country mit Texas Lightning, Jazz mit Roger Cicero und Pop mit den No Angels nicht geholfen hat, wird auch Swing nichts reißen können. Und genauso kam es dann auch. Trotz Dita van Teese, für 60000 Euro eingekauft, um mit einer Reitgerte bewaffnet den leich homosexuell anmutenden und in einer Glitzerhose verpackten zur Raison zu bringen, war unser Auftritt nichts Überragendes. Die weltbekannte Stripperin wurde größtenteils durch die Kameraführung ausgeblendet und hatte nur wenig zu tun on stage. Hätte nicht Thomas Anders, der von der Hamburger Reeperbahn aus die deutsche Songcontest- Feier moderierte, einfach ein “leichtes Mädchen” von da nach Moskau schicken können? Die hätte das sicher genauso gut gemacht und kein kleines Vermögen verlangt.

Stellt sich abschließend nur die Frage: “Was sollen wir tun?” Heinrich Löbbers, Redakteur der Sächsischen Zeitung hat genau die richtige Lösung: “Wie wäre es, wenn wir einfach mal unsere Rolle als Dauer- Loser akzeptieren und den Sangesstrreit nicht ganz so ernst nehmen”. Anzumerken hierzu wäre höchstens noch, dass Deutschland seine jährliche Finanzspritze einfach mal reduziert. Schließlich kann es nicht sein, dass 25 Staaten teilnehmen und nur ein Bruchteil davon Geld stiftet. Ob wir dann nun als Finalteilnehmer gesetzt wären oder nicht, das ist doch egal. So ersparen wir uns vielleicht auch die Schmach, jedes Jahr im hinteren Drittel der Hitliste unser Dasein zu fristen.