blockerei

der fotoblog von nicole ziegler

Archive for the ‘Music’ Category

Zitat des Tages [Bedauern]

admin June-13-2009

Stille gibt es bei mir nicht. Entweder das Radio läuft, der Rechner brummt oder ich singe selbst (natürlich mehr schlecht als recht) vor mich hin. Oft dudelt die Musik nur noch an mir vorbei, aber bei einigen Songs bleibe ich immer wieder hängen. Neudeutsch heißen solche “Evergreens”. Ich würde sie einfach als meine Lieblingslieder bezeichnen. Und bei denen ist mir neben der Melodie der Text besonders wichtig.

Heute lief also Robbie Williams (jaja ich weiß, ihn zu mögen mag Einigen als Frevel erscheinen), als ich begonnen hatte, meine Sachen für die nächste Woche zu packen. Ihr müsst wissen, da wo ich momentan wohne, fühle ich mich nicht besonders wohl und frage mich sowieso, warum ich immer noch da bin. Da also kommt Robbie Williams ins Spiel und damit besagtes Zitat:

No regrets they don’t work
No regrets now they only hurt
Sing me a love song
Drop me a line
Suppose it’s just a point of view
But they tell me I’m doing fine

Meine Musikanlage verkündet mir also, mit der Stimme von Robbie (der übrigens laut seiner Biografie lieber Rob genannt werden möchte), dass ich nichts bereuen soll. Fehlentscheidungen sind es nur aus einem bestimmten Blickwinkel und eigentlich halte ich mich ziemlich gut.

Da packt sich meine Tasche doch gleich viel leichter. Und auf gehts ins Finale. Noch einen guten Monat lang muss ich in die besagte Stadt, danach wird sich hoffentlich mein Leben mal wieder komplett ändern.

Danke, Rob!

“Hüllen, die fallen, füllen die Hallen”- genau so äußerte sich Alex Christensen vor dem Finale des Eurovision Songcontest über seine Bühnenperformance mit Dita van Teese. Die Bourlesq- Tänzerin sollte im so prüden Russland mit einer Reitgerte dem deutschen Finalsong “Miss Kiss Kiss Bang” ein wenig Erotik einhauchen und Deutschland die großen Punktzahlen zufliegen lassen. Doch daraus wurde nichts. Mit dem 20. Platz verabschiedeten wir uns in diesem Jahr aus dem Wettbewerb. Immerhin fünf Plätze besser als im Vorjahr und trotzdem noch grottenschlecht.
Wer aber damit gerechnet hat, dass bei einem Anteil von 70 Prozent an weiblichen Teilnehmerinnen wieder eine der leicht bekleideteten Stimmchen gewinnt, hat sich in diesem Jahr getäuscht.
Der bereits im Vorfeld favorisierte Alexander Rybak macht das Rennen mit einem Start- Ziel Lauf bei der Punktevergabe. Der junge Geiger macht keine schlechte Figur, trifft aber bei weitem nicht alle Töne. Niveau wie bei einer DSDS- Show. Ihm ist aber hoch anzurechnen, dass er selbst ein Instrument spielt und so beweist, dass er wirklich was von Musik versteht.
Doch nicht nur die Votings und die scheinbar von Norwegen gebuchten zwölf Punkte machten die Show sterbenslangweilig. Jens Schröder- seineszeichens “Popkulturjunkie” kommentierte bei Startnummer 22 treffend: “Lief der Song heute abend nicht schon achtmal?” Das Gefühl hatte ich selbst auch, sobald ich die Augen für einen Moment geschlossen hatte, um von der gigantischen Bühne und dem Technikaufgebot einmal auf das Wesentliche- Die Musik- zurückzukommen. Wer dem Geblinke und Geblitze auf der Bühne jedoch nicht entkommen konnte und sich die teils skurrilen Bühnenshows angeschaut hat, muss doch im Nachhinein zwangsläufig einen Therapeuten besucht haben. Da liefen Römer durchs Bild, “the balkan girls” versuchten sich scheinbar im Laurentia- Tanzen, nur dass sie noch steifer waren, als manches Kleinkind. Zum Höhepunkt der Grausamkeiten, dem albanischen Beitrag, gab Kommentator Tim Frühling den passenden Spruch ab: “Warum steht da ein mintgrüner Spiderman, der vorher scheinbar noch in Pailetten gebadet hat? Ich sag es mit Udo Jürgens’ Worten: Warum nur, warum?”

Neben Norwegen ein weiterer Favorit war wohl eindeutig “Jade” aus dem Vereinigten Königreich. Mit dem Altmeister der Musicals Andrew Lloyd Webber zusammen stand sie auf der Bühne und sang die Ballade “It’s my time”. Webber, der in meinen Augen fantastischste Musicalkomponist aller Zeiten hatte sich da ein schönes Stückchen aus den Fingern gesaugt und den Song eine hübsches Mädchen mit großer Stimme singen lassen. Aber an seine Erfolge konnte er eindeutig nicht anknüpfen. Der Song rauschte so am Ohr vorbei und begann mit den so oft wiederholten Worten “My time it’s my time,…” allmählich sogar zu nerven.
Patricia Kaas, die eindeutig beste Stimme des Abends hatte mit ihrem Chanson “Et s’il fallait le faire” zwar keien Chance auf einen Sieg, beherrschte aber ganz allein ohne albernes Rumgezappel die Bühne. Mit einem verdienten achten Platz konnte sie stolz nach Hause ins Land der Baguettes zurückfahren.
Die ehemalige Sowjetunion sowie Jugoslawien, die jetzt mit gefühlten 100 verschiedenen Kleinststaaten antreten, sollen hier nur kurz erwähnt werden. Arabische Klänge dominierten die von Grabbeltisch im Sonderangebot zusammengeschusterten Popsongs und natürlich bauchtanzenden dünnen Stimmchen.

Der deutsche Beitrag von Alex Swings Oskar Sings hob sich zumindest ab. Wie in jedem Jahr schlugen die deutschen Finalisten eine völlig neue Richtung ein. Aber wo Country mit Texas Lightning, Jazz mit Roger Cicero und Pop mit den No Angels nicht geholfen hat, wird auch Swing nichts reißen können. Und genauso kam es dann auch. Trotz Dita van Teese, für 60000 Euro eingekauft, um mit einer Reitgerte bewaffnet den leich homosexuell anmutenden und in einer Glitzerhose verpackten zur Raison zu bringen, war unser Auftritt nichts Überragendes. Die weltbekannte Stripperin wurde größtenteils durch die Kameraführung ausgeblendet und hatte nur wenig zu tun on stage. Hätte nicht Thomas Anders, der von der Hamburger Reeperbahn aus die deutsche Songcontest- Feier moderierte, einfach ein “leichtes Mädchen” von da nach Moskau schicken können? Die hätte das sicher genauso gut gemacht und kein kleines Vermögen verlangt.

Stellt sich abschließend nur die Frage: “Was sollen wir tun?” Heinrich Löbbers, Redakteur der Sächsischen Zeitung hat genau die richtige Lösung: “Wie wäre es, wenn wir einfach mal unsere Rolle als Dauer- Loser akzeptieren und den Sangesstrreit nicht ganz so ernst nehmen”. Anzumerken hierzu wäre höchstens noch, dass Deutschland seine jährliche Finanzspritze einfach mal reduziert. Schließlich kann es nicht sein, dass 25 Staaten teilnehmen und nur ein Bruchteil davon Geld stiftet. Ob wir dann nun als Finalteilnehmer gesetzt wären oder nicht, das ist doch egal. So ersparen wir uns vielleicht auch die Schmach, jedes Jahr im hinteren Drittel der Hitliste unser Dasein zu fristen.

“Silbermond verraten Pop”, so titelt die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift NEON im Ressort Musik über die ostdeutsche Erfolgsband.
Logisch- jeder darf seinen eigenen Geschmack haben, insbesondere Musikkritiker. Doch was ist auf der seriösen Kritik geworden, die in renommierten Magazinen den Kulturteil bevölkert? Sind denn heute nur noch diejenigen Menschen Kritiker, die ihre eigene Karriere verpatzt haben und deshalb über jeden Erfolg Anderer wettern?

Eine Kritik, das lernt jeder Schüler im Deutschunterricht der Sekundarstufe eins, soll konstruktiv sein. Sie vermittelt eine schlüssige Argumentation und zeigt möglichst noch Verbesserungsvorschläge auf. Ellen Hermes, Sprachcoach aus München, hat aber ein deutsches Problem erkannt. Es wird zu oft “nur noch negativ kritisiert”. Deutschland brauche mehr positives Feedback. Doch genau das ist bei Musikkritikern wohl noch nicht angekommen. Sie versteifen sich darauf, alles, was Erfolg hat, schlecht zu reden, und berufen sich dabei auf ihren eigenen Geschmack sowie das “independent”, sprich Indie- sein. Doch Indie ist tot, von den Massen überrannt, die sich als Indie sehen und dabei nur noch einen Einheitsbrei darstellen. Nichtsdestotrotz wird weiter geschimpft, gemeckert und gezetert.
Silbermond als erfolgreichste ostdeutsche Band und ebenfalls erfolgreicher Export besonders nach Österreich und in die Schweiz, wird, wo es nur geht, mies geredet. Mit ihrem dritten Album “Nichts passiert” war die Band von Null auf eins in den deutschen Albumcharts durchmaschiert. Genau dieser Fakt führte also zwangsläufig dazu, dass den “Monden” auf ein Neues die Missgunst der privilegierten pessimistischen Spezies der Kritiker ausgesprochen wurde.

“Von schier nicht zu umfahrender Daueranwesenheit ist dagegen immer die Musik, die man eben nicht hören möchte. Die des musikalischen Sparkontoquintetts Silbermond zum Beispiel. Doch halt! Das Herumtrampeln auf Silbermond gehört gleich nach dem Herumtrampeln auf den Toten Hosen und dem Herumtrampeln auf U2 zu den billigsten Standard-Disziplinen des Musikjournalismus, da kann sich von mir aus die Wut-Kolumne des Leverkusener Hassanzeigers drum kümmern”

Erik Pfeil, Autor des FAZ- Blogs “Das Pop- Tagebuch“, verallgemeinert die gesamte deutsche Hörerschaft zu einem “man”. Ungeachtet dessen, dass die Verkaufszahlen des Silbermond- Albums ein ganz anderes Bild geben. “Man” ist, mit Verlaub, dazu noch ein Wort, das in einem journalistischen Text einfach nicht aufzutauchen hat. Pfeil meint selbst, dass er es nicht wert sei, auf dem “Sparkontoquintett” herumzutrampeln und gibt das an seiner Meinung nach minderwertigere Blätter ab. Viel beschäftigt hat sich der von Beruf permanent beschallte Mensch mit den Musikern offenbar nicht. Sind sie doch weniger ein Quintett als ein Quartett, das immerhin noch handgemachte Musik produziert und sich nicht durch die Hände berühmter “Hitschreiber” reichen lässt.

NEON- Redakteur Ingo Mocek geht sogar noch weiter. Mit ihren so Balladen à la “Irgendwas bleibt”, sollen sie doch lieber das Musikantenstadl stürmen, als MTV. Auch wenn Balladen das sind, was die Band ausmacht, so schlägt das gesamte Album ganz andere Töne an. Schneller Rock herrscht vor, Rave- Elemente nehmen ihren Platz ein und die Band wird nicht müde, sich selbst aufs Korn zu nehmen. Das wird nicht gewürdigt, sondern sogar bei Plattenkritiken einfach verschwiegen.

Natürlich soll hier nicht nur Silbermond erwähnt werden. Auch ganze Veranstaltungen werden von Kritikern immer wieder verrissen. Der Musikpreis Echo beispielsweise, der in diesem Jahr wieder seinen früheren Platz in den öffentlich- rechtlichen Sendern einnahm, bekam besonders in den wohl vor Neid erzürnten Privatsendern, aber auch in überregionalen Zeitungen sein Fett weg. Die Moderationen durch Oliver Pocher und Barbara Schöneberger seien grottig gewesen, die Live- Acts grausam und überhaupt sei die gesamte Veranstaltung nur noch eine Farce. Doch standen nicht auch Weltgrößen wie U2 und Depeche Mode auf der Bühne und begeisterten? Oliver Pocher mag besonders mit seinem Hitler- Witz geschmacklos gewesen sein. Doch sollte sich nicht die gesamte öffentliche Welt daran aufgeilen, wie die Übergänge von Act zu Act gestaltet wurden, sondern eher dem Beachtung schenken, was bei einem solchen Preis im Mittelpunkt steht: Der Musik.

Und das sei auch der versammelten Gruppe der Musikkritiker gesagt. Beschäftigt euch wieder mehr mit der Musik! Lasst sie auf euch wirken, prangert sie an, wenn sie mies ist, aber dann bitte mit schlagkräftigen Argumenten. Haut zu! Wenn es angebracht ist. Und ziert euch nicht, auch mal Lob auszuteilen. Nicht nur für Underground- Musik sondern auch für etablierte Künstler.